 | 1. Dezember 2006 - 15. April 2007 Eröffnung 30. November, 19.00 Uhr
JOHANN BERNHARD FISCHER VON ERLACH 1656–2006
Eine Ausstellung gestaltet von SPLITTERWERK.
Die von SPLITTERWERK gestaltete Ausstellung „JOHANN BERNHARD FISCHER VON ERLACH 1656 – 2006.“ über das Werk des in Graz geborenen, am 20. Juli 1656 in der Stadtpfarrkirche getauften und 1723 in Wien verstorbenen größten Baumeisters des österreichischen Barock stellt, wie der Direktor des stadtmuseumgraz Otto Hochreiter ausführt, „die Frage nach der heutigen Bedeutung des ungemein innovativen und visionären Bildhauer-Architekten.“
Die Ausstellung ist keine traditionelle kunstgeschichtliche Darstellung, sondern eine radikalzeitgenössische Befragung von Fischer von Erlachs heutiger Bedeutung durch eine der innovativsten Architekturgruppen nicht nur Österreichs. Es handelt sich um die erste Ausstellung, die mit zeitgenössischer Architekturleistung der heutigen Bedeutung Fischer von Erlachs nachgeht: SPLITTERWERK bearbeitet die Frage nach der Aktualität des Barockarchitekten in künstlerischer Form. Die Aufforderung dazu ist Fischer von Erlachs berühmten, 1721 erschienenen „Entwurff einer historischen Architektur“ entnommen: „...das Auge der Liebhaber zu ergötzen, und denen Künstlern zu Erfindungen Anlaß zu geben, mehr im Sinne gehabt, als die Gelehrten zu unterrichten.“ Die Grazer Architekten präsentieren drei Jahrhunderte später den Grazer Architekten Fischer von Erlach im stadtmuseumgraz.
Die Antworten auf diese Frage nach dem Zukunftsweisenden und damit heute Aktuellen sollen v. a. anhand Fischer von Erlachs Wiener Meisterwerken der Karlskirche, dem ersten (nicht realisierten) Entwurf zu Schönbrunn, den Hofstallungen (heute Museumsquartier) und dem ebenfalls nicht gebauten Gartenpalais Liechtenstein, insbesondere aber anhand seines berühmten Mappenwerks „Entwurff einer historischen Architektur“, der ersten weltumfassenden Architekturdarstellung, gegeben werden.
Die stadtmuseumgraz-Ausstellung wird von SPLITTERWERK, das zuletzt Österreichs Vertreter bei der Biennale in Sao Paulo war, gestaltet. Wissenschaftlicher Leiter ist Andreas Kreul, dessen großes Standardwerk „Johann Bernhard Fischer von Erlach. Regie der Relation“ soeben im Verlag Anton Pustet erschienen ist und als begleitender Ausstellungskatalog fungieren wird.
FISCHER VON ERLACH kam nach langem Romaufenthalt 1686 in das Wien Prinz Eugens. Schon bald gelten Fischer von Erlachs Bauten als Hauptleistungen der österreichischen Barockkultur, die den Aufstieg Österreichs zur Großmacht begleitet. Neben seinen Wiener Bauten für Kaiser und Adel hat Fischer von Erlach in Diensten des Erzbischofs von Salzburg das spätbarocke Erscheinungsbild Salzburgs entscheidend geprägt. Fischer von Erlachs Beitrag zur Moderne und visionären Architektur wird in seinem Stichwerk „Entwurff einer historischen Architectur“ deutlich, an dem er Zeit seines Lebens gearbeitet hatte. In seiner Heimatstadt Graz hat Johann Bernhard Fischer von Erlach nach heutigem Wissensstand lediglich an der Ausstattung des Mausoleums für Ferdinand II gearbeitet.
SPLITTERWERK ist 1988 als Marke für Forschung, Realisierung und Lehre in Architektur, Städtebau und bildender Kunst gegründet. Lehrtätigkeit an den Fakultäten für Architektur der Technischen Universitäten in Graz, Innsbruck, Istanbul, Hannover, Weimar und Wien sowie im Studiengang für Produktdesign an der Fachhochschule Joanneum Graz. Gastprofessur an der Technischen Universität in Sarajevo. Gründung und Leitung des Institutes für Architektur, Formgebung und Verfahrenstechnologie am Joanneum Research des Landes Steiermark. Vorstandsmitglieder der ig-architektur und der Österreichischen Gesellschaft für Architektur. Publikationen, Ausstellungen und Vorträge im In- und Ausland. Zahlreiche Wettbewerbe und Preise, u.a. Österreichischer Stahlbaupreis,Österreichischer Bauherre, Österreichischer Staatspreis, Steirischer Holzbaupreis und die Geramb Rose für gutes Bauen in der Steiermark, Teilnahme an der 6th Sao Paulo International Biennial of Architecture 2005.
ANDREAS KREUL, Herausgeber des neuen Standardwerks „Johann Bernhard Fischer von Erlach. Regie der Relation“, 2006, Verlag Anton Pustet, Salzburg. Der 450-Seiten Band ist der begleitende Katalog zur Ausstellung. Erstmals seit 1976 vermittelt die neue Monografie des Fischer-Spezialisten Andreas Kreul den aktuellen Fischer, dessen Oeuvre mit jeweils einer kurzen Einführung und einer umfassenden Auflistung der Forschungsliteratur aufgezeigt wird. Geboren 1961, Studium der Kunstgeschichte, Allgemeinen und Vergleichenden Literaturwissenschaft und Germanistik an der Ruhr-Universität Bochum (1980–1986), M. A. 1986, Dissertation 1988 über Johann Bernhard Fischer von Erlach. Von 1988 bis 1989 Mitarbeiter am Kunstring Folkwang in Essen und von 1989 bis 1992 Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Kunsthalle Bremen, seit 1992 Kustos für die Gemälde des 20. und 21. Jahrhunderts, die Skulpturen, Münzen und Medaillen des 16. bis 21. Jahrhunderts an der Kunsthalle Bremen und Lehrbeauftragter für Kunstgeschichte an der Universität Bremen.
Diese Ausstellung wird unterstützt durch:

| |  | 13. Dezember 2006 bis 11. März 2007 Eröffnung: 13. Dezember 2006 bis 11. März 2007
Gertrud Ring – Die Grazer Zeit 1934 bis 1943
Als Malerin und Schriftstellerin wird sie Mitglied der Berliner Avantgarde und befreundet sich mit Hannah Höch und Raoul Hausmann. 1921 heiratet sie den Schriftsteller, Maler und Astrologen Thomas Ring. Gertrud Ring war als Autodidaktin mehrfach mit Werken in der „Großen Berliner Kunstausstellung“ vertreten und hat sich als Publizistin, die für den Sozialismus und die Emanzipation der Frau eintrat, einen Namen gemacht. Zusammen mit ihrem Mann engagiert sie sich politisch gegen den aufkeimenden Nationalsozialismus. 1932 muss sie vor den Nazis nach Österreich flüchten und lebt von 1933–1943 in Graz.
Die Ausstellung beschäftigt sich mit dem bildnerischen Werk Gertrud Rings aus der Zeit des Grazer Exils. Hier lebt und arbeitet die Malerin, Schriftstellerin und Astrologin unter widrigsten Umständen.
In dieser Schaffensperiode der Inneren Emigration entstehen viele ihrer bedeutendsten Arbeiten, die zu den wenigen Beispielen moderner Malweise und des kulturellen Widerstands in der Steiermark zählen.
Gertrud Rings Gesellschaftskritik galt vor allem der sozialen Rolle der Frau in einer patriarchalischen Gesellschaft. Ihre Bilder sind verschlüsselte Zustands- und Empfindungsprotokolle von radikaler Offenheit.
In Graz entstehen aber auch Bilder, in denen sie die astrologischen Forschungsergebnisse ihres Mannes visualisiert. Ab 1936 „staatenlos“, schrieb Thomas Ring in Graz in der Zeit des autoritären Ständestaates Werke, die die Grundlagen der Astrologie neu definierten. Nach der Machtübernahme der Nazis in Österreich kam Gertrud Rings abstrakten kosmologischen Arbeiten insofern ein besonderes Moment des Widerstands zu, als diese das Kunstdiktat des Regimes unterliefen. Diese Bilder werden in ihrer Gesamtheit das erste mal in dieser Ausstellung präsentiert.
Nachdem Thomas Ring 1943 von der Reichskulturkammer mit „Mal- und Schreibverbot“ belegt wurde und ihm die Versetzung zu einem Strafbataillon drohte, rettet ihn die Berufung an die „Reichsuniversität“ in Strassburg, auch Gertrud Ring folgt ihrem Mann dorthin.
1944 wurde Strassburg durch die Alliierten befreit, die Thomas und Gertrud Ring – obwohl diese vom NS-Regime verfolgt wurden – verhaften und in ein Internierungslager bringen. Gertrud Ring starb, krank und durch Hunger geschwächt, 1945 im Lager St. Sulpice in Südfrankreich.
| |  | 13.September 2006 bis 22. November 2006 (verlängert) Eröffnung 12. September 2006 um 18.00 Uhr
SUSANNE WENGER Leben mit den GÖttern Afrikas
Ein fotografisches Portrait von Magdalena Frey und Heinz Cibulka
Die Ausstellung „SUSANNE WENGER – Leben mit den Göttern Afrikas“ zeigt Fotografien der Künstlerin und Yoruba-Hohepriesterin Susanne Wenger, die 2005 anlässlich ihres 90. Geburtstages in den tropischen Wäldern am Stadtrand von Oshogbo entstanden sind.
Neben Susanne Wenger und ihren 10 Meter hohen Skulpturen, die in einem Verband von heiligen Schreinen im mittlerweile geschützten Areal der heiliggesprochenen Waldregion stehen, boten weitere Reiseerlebnisse bei den Fahrten vom Flughafen über Lagos nach Oshogbo einen Hintergrund für das fotografische Portrait, das Magdalena Frey und Heinz Cibulka mit der Unterstützung von Wolfgang Denk recherchierten.
Die 1915 in Graz geborene Susanne Wenger, die zur Grazer Künstleravantgarde der Zwischenkriegszeit zählte, beteiligte sich 1938 an Demonstrationen gegen den Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich und verkehrte nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten in Widerstandskreisen. Sie half Menschen, die vom NS-Regime verfolgt wurden.
Nach dem Krieg war sie unter anderem Gründungsmitglied des ART-CLUB. 1949 übersiedelte sie nach Paris und verließ im selben Jahr Europa. Sie lebt seither in Nigeria und hat im Kontext der Yoruba-Religion als europäische Künstlerin Kultbauten geschaffen, die europäische mit afrikanischer Hochkultur verbinden.
| |  | 27. April 2006 bis 22. Oktober 2006 (verlängert)
DIE TOTALE – Das Gemäldedepot des stadtmuseumgraz
Rund 700 Werke der Malerei aus den Beständen des stadtmuseumgraz, vom 17. Jahrhundert bis in die Gegenwart, werden in dieser Ausstellung gezeigt, die dem Publikum damit erstmals seit 1952 die Gelegenheit bietet, einen umfassenden Einblick in das Kunstdepot des stadtmuseumgraz zu bekommen. „Die Totale“ stellt eines der Kernergebnisse der gesamten Neuinventarisierung des Kunstbestandes des stadtmuseumgraz vor.
Die Ausstellung bringt das göttlich-feudale Prinzip der Plenitudo, der totalen Fülle und Vielfalt, des Sammlungskosmos, unendlich in Gestalt und Zahl in eine black box der Jetztzeit. Und sie verweigert bewusst den schattenlosen white cube der Moderne, das ideale Umfeld für die Autonomie des Kunstwerks. Sie werden sehen: „Der white cube ist leer, die black box ist übervoll“. Das hatte Otto Hochreiter, der neue Chef des Grazer Stadtmuseums, vor der Eröffnung seiner Einstandsausstellung behauptet. Mit der Schau „Die Totale“ wird das Museum nach langer Pause nun wiedereröffnet. Und es ist ein gelungener Einstand. Denn die Präsentation der Gemäldesammlung des 1928 als historisches Museum der Stadt Graz gegründeten Hauses ist außerordentlich geglückt.
Franz Niegelhell in: falter 18/06
Kolloquium
Die öffentliche Sammlung als Medium der Identitätsbildung 5. Mai 2006, 14.00 bis 18.00 Uhr stadtmuseumgraz, Sackstraße 18
Anlässlich der Neueröffnung des Stadtmuseums und der Ausstellung „DIE TOTALE – das Gemäldedepot des Stadtmuseums Graz“, veranstalten wir am 5. Mai ein Kolloquium zum Thema „Die öffentliche Sammlung als Medium der Identitätsbildung“. Während private Sammlungen mitunter von subjektiven Obsessionen geprägt sind, richtet sich ein von der öffentlichen Hand gelenkte Auswahlprozess hinsichtlich künstlerischer Qualität oder musealer Signifikanz in verstärktem Maße nach gesellschaftlich konstituierten, scheinbar objektiven Kriterien. Diese spiegeln sich im Gremialen der Ankaufsentscheidung und den Erkenntnis-interessen eines Museums wider. In lokalen Museen, in welchen diese historisch gewachsenen und lokal geprägten Werteprämissen naturgemäß deutlich zutage treten, stellt das öffentlich-rechtliche Sammeln daher ein wichtiges Medium der Identitätsbildung dar. In einem konzentrierten halbtägigen Kolloquium zum Thema „Die öffentliche Sammlung als Medium der Identitätsbildung“ soll den damit verbundenen Fragestellungen, wie kollektive Identität, Binnenpluralität, Repräsentativität und den daraus abgeleiteten Sammlungs- und Präsentationskonzeptionen nachgegangen werden.
ReferentInnen: Dr. Barbara Aulinger, Karl-Franzens-Universität Graz Mag. Monika Stromberger, Karl-Franzens-Universität Graz Günter Eisenhut, galerie remixx Patrick Ebensperger, Galerie Patrick Ebensperger Dr. Ulrich Becker, Landesmuseum Joanneum Dr. Bettina Habsburg-Lothringen, Museumsakademie Joanneum
Anmeldung unter: annekatrin.kessler@stadt.graz.at
Die Teilnahme ist kostenlos!
| |  | Symposion des stadtmuseumgraz
Zur heutigen Bedeutung von Johann Bernhard Fischer von Erlach (1656–1723)
19. Oktober 2006, 14.00–20.00 Uhr, Sackstraße 18, 8020 Graz, stadtmuseumgraz
Das stadtmuseumgraz zeigt vom 1. Dezember 2006 (Eröffnung 30. November) bis 15. April 2007
JOHANN BERNHARD FISCHER VON ERLACH 1656–2006. Eine Ausstellung gestaltet von SPLITTERWERK.
Zur inhaltlichen Vorbereitung auf die Ausstellung veranstaltet das stadtmuseumgraz ein Kolloquium zur heutigen Bedeutung von Johann Bernhard Fischer von Erlach (1656–1723).
Themen:
Die geistige und politischen Situation 1683–1725 Die Ausbildungs- und Auftragssituation eines spätbarocken Bildhauerarchitekten Das Visionäre des Fischer v. Erlach und seine künstlerische Bedeutung Architekturdarstellung als Medium der Architekturinterpretation
Referenten u.a.: Friedrich Kurrent (Architekt), Dr. Andreas Kreul (Kunsthalle Bremen), Jan Tabor (Kurator), Angelika Fitz (Kuratorin), SPLITTERWERK (Architekten), Oliver Elser (DerStandard), Univ.-Prof.Dr. Karl Acham (Uni Graz), Hofrat Dr. Bernd Euler (Bundesdenkmalamt)
| |  | Das stadtmuseumgraz und der Verlag Anton Pustet laden herzlich ein zur Buchpräsentation
Andreas Kreul
JOHANN BERNHARD FISCHER VON ERLACH REGIE DER RELATION
Verlag Anton Pustet
18. Oktober 2006 um 18.00 Uhr, Sackstraße 18, 8020 Graz, stadtmuseumgraz
Johann Bernhard Fischer von Erlach zählt zu den bedeutendsten Architekten der Barockzeit. Geboren 1656 in Graz, jährt sich sein Geburtstag heuer zum 350. Mal. Erstmals seit 1976 vermittelt die neue Monografie des Fischer-Spezialisten Andreas Kreul den aktuellen Fischer, dessen Oeuvre mit jeweils einer kurzen Einführung und einer umfassenden Auflistung der Forschungsliteratur – und mit neuen, eigens für diese Publikation aufgenommenen Farbfotographien von Georg Parthen – aufgezeigt wird.
Andreas Kreul ist der wissenschaftliche Leiter der Ausstellung JOHANN BERNHARD FISCHER VON ERLACH 1656–2006. Eine Ausstellung gestaltet von SPLITTERWERK, die am 30. November 2006 eröffnet wird.
Im Rahmen dieser Buchpräsentation werden 13 Originalstiche aus dem 4. Buch des „Entwurffs einer historischen Architectur“ präsentiert, die folgende, heute noch existierende Gebäude zeigen: - Schloß Schönbrunn - Kollegienkirche - Winterpalais des Prinzen Eugen - Schloß Kleßheim - Gartenpalais Trautson - Palais Clam-Gallas - Karlskirche
Diese Blätter wurden unlängst von der Gesellschaft der Freunde des Stadtmuseums für das stadtmuseumgraz erworben.
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