 | LIBERATION IN PROGRESS
Multimedia-Projekt von Josef Schützenhöfer und Klaus Zeyringer
Dem lange Zeit in den USA lebenden Künstler Josef Schützenhöfer fiel in Österreich das Ortsbild-Monopol der Kriegerdenkmäler für die Gefallenen der Deutschen Wehrmacht auf, während auf den Monumenten der US-Soldatenfriedhöfe allen Opfern verschiedener Nationen gedacht wird. Im Herbst 2011 gelang es ihm, gemeinsam mit den US-KünstlerInnen Will Contino, Emily Hines und Douglas Hoagg sowie dem Wissenschaftler Klaus Zeyringer in Pöllau erstmals eine Skultptur zu realisieren, die ausdrücklich an die Alliierten-Opfer als Befreier vom Nationalsozialismus erinnert. Daraus wurde die Multimedia-Ausstellung mit weiteren KünstlerInnen entwickelt: Ruth Anterwald und Leonhard Grond (Fotoinstallationen), Joachim Baur und Barbara Edlinger (Library of Friendship), Andreas und Renate Meschuh (Dokumentarfilm Preis der Freiheit), Simon Brugner (Fotodokumentation), Heimo Halbrainer (Historischer Abriss), Klaus Zeyringer (Wortdokumentation).
Eine Kooperation von Steirische Kulturinitiative und stadtmuseumgraz
| |  | SCHAUPLATZ ANNENVIERTEL! Arbeit an der Zukunft einer städtischen Gesellschaft
Das Grazer Annenviertel erlebt städtische Transformationsprozesse vor allem durch den Wandel von Geschäftsleben und Mobilität, durch beständige Migration ins Viertel, sowie durch erhöhte Bautätigkeit. An der Ausstellung nehmen Initiativen und Organisationen aus dem Annenviertel teil, die hartnäckig an Visionen des guten Zusammenlebens, der Stärkung von Eigenverantwortung, des Mitspracherechts der Menschen im Viertel und der freien Nutzung des öffentlichen Raums arbeiten. Die BesucherInnen kommen in Berührung mit aktuellen gesellschaftlichen Themen, die tagtäglich im Stadtteil verhandelt werden. Zahlreiche künstlerische Beiträge eröffnen darüber hinaus alternative Sichtweisen auf das Annenviertel.
Eine Kooperation von < rotor >, Stadtbaudirektion - Stadtteilmanagement Annenviertel und stadtmuseumgraz
| |  | PASSAGEN_04 Claudia Klučarić und Friederike Mayröcker
Eine Kooperation von Akademie Graz und stadtmuseumgraz
PASSAGEN sind Durchgänge - Räume, die Verschiedenes miteinander verbinden. Mit zwei „Sichtweisen", Kunst und Literatur, geht die Reihe PASSAGEN Fragen der Wahrnehmung und der Repräsentation von Wirklichkeit nach. Gleich dem Flaneur sind uns die Passagen ein Ort der Reflexion unserer Zeitgenossenschaft und ein Experimentierfeld der Wahrnehmung.
Kunst und Literatur treffen sich diesmal in den Bildern. Friederike Mayröcker beschreibt ihre Arbeitsweise als Leben in Bildern: "Ich mache die Bilder zu Sprache, indem ich ganz hineinsteige in das Bild. Ich steige solange hinein, bis es Sprache wird." Die Grundlage der Installationen, Grafiken und Videoarbeiten von Claudia Klučarić sind innere Bilder und Imaginationen, die sie mit Texten, die sie ihnen assoziativ zuordnet, verbindet: "Die dichterische Sprache ist mir ein geistiges Zuhause, ein Zuhause für die Flut der Bilder in meinem Kopf." Jeder Schritt zur Auslotung des Innenraums, jede Analyse der Wahrnehmung als Bewusstseinsraum, Erinnerungsraum, Sehnsuchtsraum und Explorationsraum ist Weltgewinnung, Schaffung von Realität.
Claudia Klučarić, geb. 1968 in Graz, lebt und arbeitet in Unterrohrbach. Sie studierte Bildhauerei bei Joannis Avramidis an der Akademie der bildenden Künste in Wien und hatte Stipendien und Arbeitsaufenthalte u.a. in Dublin, Dubrovnik, Rom, Paliano, New York und sowie am Virginia Center for the Creative Arts in Amherst, Virginia und in Owen Sound, Kanada. Einzelausstellungen u.a. in: Projektraum weiss, Köln / Tom Thomson Memorial Art Gallery, Owen Sound, Kanada / Galerie im Traklhaus, Salzburg / Künstlerhaus Palais Thurn und Taxis, Bregenz / Videofestival Debutnale, Linz / Künstlerhaus Graz.
Friederike Mayröcker, geb. 1924 in Wien, lebt und arbeitet in Wien. Sie ist eine der bedeutendsten zeitgenössischen Schriftstellerinnen im deutschen Sprachraum. Vor allem wurde sie als Lyrikerin bekannt, außerdem mit Prosa, Erzählungen und Hörspielen, Kinderbüchern und Bühnentexten. Ihre Werke wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt.
| |  | G R A Z G E F L Ü S T E R
66 Geschichten zum Eigen-Sinn der Stadt
Eröffnung: 15. März 2011 Ausstellungsdauer: 16. März 2011 bis 15. Februar 2012
Als Hauptausstellung des Jahres wird am 15. März 2011 die Ausstellung „GRAZGEFLÜSTER. Einige Stichworte zu einem Musée Sentimental de Graz mit Daniel Spoerri" eröffnet. Ausgehend von „sprechenden", überzeugenden, faszinierenden Exponaten soll in dieser Ausstellung eine neue Kenntlichkeit der Stadt erreicht werden. Mit künstlerischer, „dilettantischer" Neugier und vorhandenem stadthistorischen Wissen gilt es, ausgewählte Merkmale, Persönlichkeiten und Merkwürdigkeiten von Graz zu beleuchten, um das Geflüster der Stadt vernehmen zu können. Dabei werden weniger die üblichen historisch bedeutenden Ausstellungsstücke, sondern vor allem Alltagsgegenstände oder persönliche Erinnerungsstücke präsentiert, die ein anderes „Zeugnis" einer anderen Geschichte ablegen.
Mit dem seit den 1970er Jahren u.a. in Köln, Basel und Berlin realisierten Ausstellungskonzept des „musée sentimental" hat Daniel Spoerri, der zu den bedeutendsten internationalen Künstlern nach 1945 zählt, das kulturhistorische Ausstellungswesen revolutioniert. Ein „musée sentimental" ist nicht „sentimental" im üblichen deutschen Wortsinn, sondern Denkarten, Empfindungen, Meinungen widerspiegelnd. Es macht aus grauen historischen Phänomenen von Lokalkolorit geprägte, farbige Erzählungen, spitzfindige Spekulationen, witzige Anekdoten, die mit Inszenierungen von ungewöhnlichen, kuriosen, merkwürdigen Exponaten verknüpft werden.
Das „Stadtgeflüster" dieser Ausstellung ist, wie Direktor Otto Hochreiter ausführt, „weniger eines der Liebenden, oder das Flüstern spielender Kinder." Geflüstert werden vielmehr Momentaufnahmen des Alltags, das Inoffizielle, das Gerücht, ebenso wie das kollektiv Verdrängte. Auch ist es nicht Anliegen der Ausstellung, eine kohärente, „große" Geschichte der Stadt zu präsentieren, sondern eine solche erschließt sich im Konzept des „musée sentimental" vielmehr aus der Vielgestaltigkeit und Zufälligkeit der individuellen Erfahrungen und Begebenheiten.
Mit freundlicher Unterstützung von LES TISSUS COLBERT.
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