DIE KUNST DER ANPASSUNG

Steirische KünstlerInnen im Nationalsozialismus

zwischen Tradition und Propaganda

 

Eine Ausstellung der

Neuen Galerie Graz - Universalmuseum Joanneum

und des stadtmuseumgraz

  

Ausstellungseröffnung: 15. Juni 2010, 19 Uhr

Ausstellungsdauer: 16. Juni 2010 – 2. Januar 2011

 

Die in Kooperation von Neuer Galerie Graz und stadtmuseumgraz entstandene Ausstellung „Die Kunst der Anpassung. Steirische KünstlerInnen im Nationalsozialismus zwischen Tradition und Propaganda“ versteht sich nicht als reine Kunstausstellung, sondern auch als eine kulturhistorische Dokumentation, die veranschaulichen soll, in welchem Maße die Kunst der nationalsozialistischen Politik diente bzw. sich an sie anpasste. Anhand von ca. 250 Exponaten sowie umfangreichem Dokumentationsmaterial macht „Die Kunst der Anpassung“ die tiefe Verstrickung der Kunst in die politische Realität des „Dritten Reiches“, aber auch der Zeit vor 1938 und nach 1945 deutlich. Untersucht werden dabei die Kunstproduktion sowie auch die Verhaltensweisen jener zumeist konservativen und affirmativen Künstlerinnen und Künstler, die sich nach dem „Anschluß“ auf die Seite der nationalsozialistischen Herrschaft geschlagen hatten, bzw. schon zuvor selbst treibende Kräfte dieser Bewegung in der Steiermark gewesen waren, oder sich aus Opportunismus und Existenzangst mit den neuen Machthabern arrangierten. Einigen ist die Anfangseuphorie auch relativ bald vergangen und sie mussten erkennen, welch menschenverachtendem Regime sie bereit gewesen waren, zu folgen.

 

Auf Basis des aktuellen Forschungsstandes belegt die „Die Kunst der Anpassung“ mit zahlreichen Dokumenten der Unterwerfung die intensive Kollaboration vieler Künstlerinnen und Künstler und fast aller steirischer Kunstorganisationen mit den Nationalsozialisten. Die Ausstellung zeigt, dass die Logik der Anpassung oftmals mehr als nur eine Strategie des Überlebens war. Nicht zuletzt macht „Die Kunst der Anpassung“ erschreckend deutlich, wie die Integration der eben noch führertreuen Künstlerinnen und Künstler in das steirische Kunst- und Kulturgeschehen der Nachkriegsdemokratie fast bruchlos erfolgte. Aufnahme in die Ausstellung haben jene Werke gefunden, die zwischen Mitte der 1930er Jahre und 1945 von in der Steiermark wirkenden Künstlerinnen und Künstlern in nationalsozialistisch gesteuerten Ausstellungen gezeigt wurden – weiters einige Beispiele aus der unmittelbaren Nachkriegszeit.

 

 

 

Das stadtmuseumgraz zeigt im zehnten Jahr nach der Wiedererrichtung der Synagoge in Graz und als Ergänzung zur Ausstellung „Die Kunst der Anpassung. Steirische Künstler im Nationalsozialismus“ (Kooperation mit den Neuen Galerie Graz, Eröffnung am 18. Mai) die Ausstellung „Jüdische Portraits. Photographien von Herlinde Koelbl“ aus dem Jahr 1989.

 

Herlinde Koelbl hat für ihr aus Text-Bild-Kombinationen bestehendes großes Fotoprojekt deutschsprachige Juden portraitiert, die der Shoah entkommen sind. Ihre Form der Würdigung ist eine fotografische Portraitgalerie, wobei sie sich nicht darauf beschränkte, jüdische Persönlichkeiten der Geistes- und Kulturgeschichte in aller Welt aufzuspüren und sie zu portraitieren, sondern sie führte mit diesen eindringliche und ausführliche Gespräche zu Fragen nach ihrem Verständnis von jüdischer Tradition, Religion und Heimat. Entstanden ist das Portrait einer Generation, die als letzte in das intellektuelle und geistige Klima der deutsch-jüdischen Symbiose hineingeboren wurde, die die Zerschlagung dieser Kultur miterleben musste - und sie überlebte.

Diese Fotoausstellung mit Fotografien u.a. von Erich Fried, Theodore Kollek, Bruno Kreisky, Sir Karl Popper oder Marcel Reich-Ranicki hat Geschichte zum Thema und ist mittlerweile selbst historisch geworden.

 

 

 

Das Katalogbuch zur Ausstellung:

Die vollständigen Interviews sind in dem aus Anlass der Grazer Ausstellung neu aufgelegten Katalogbuch des S. Fischer-Verlags enthalten.

 

Jüdische Portraits. Photographien und Interviews von Herlinde Koelbl

Frankfurt: S. Fischer Verlag, 2010

 

Eröffnungsrede Jüdische Portraits (pdf-Datei)

 


DER ISRAELITISCHE FRIEDHOF GRAZ 1865-2010

Eine Annäherung

 

Eine Ausstellungskooperation des IStBau, Institut für Stadt- und Baugeschichte, TU Graz und des stadtmuseumgraz

 

Ausstellungseröffnung: 29. Juni 2010, 19 Uhr

Ausstellungsdauer: 30. Juni - 12. September 2010

 

Die Art und Weise, wie Menschen mit dem Tod umgehen, verweist auf die Befindlichkeit einer jeweiligen Gesellschaft. Darin spiegeln sich soziale Strukturen, politische Verhältnisse und der Stellenwert des Individuums in der Gesellschaft wider. Friedhöfe legen Zeugnis einer Zeit ab und hinterlassen architektonische Spuren. Sie sind Orte der Kultur und ihres Wandels, des Gedächtnisses und der Geschichte, Orte der Ruhe, des Glaubens und der Toleranz, der Trauer und der Hoffnung.

"Bejt haChaim", Haus des Lebens, lautet die hebräische Bezeichnung für Friedhof.

Studierende der Architekturfakultät der TU Graz haben sich im Wintersemester 2009/2010 diesem Thema angenähert und ihr Wissen im Sommersemester 2010 vertieft.

Die Dokumentation des Israelitischen Friedhofes in Graz in Modell, Bild und Schrift ermöglicht vielschichtige Lesarten dieses einzigartigen Ortes in Graz.

 

Thematisch ergänzt das Projekt die laufenden Ausstellungen im stadtmuseumgraz um ein weiteres Stück Stadtgeschichte.

 

Eine Lehrveranstaltung unter der Leitung von Ninela Holtin am IStBau, Institut für Stadt- und Baugeschichte, Institutsleiterin Simone Hain, TU Graz

Teilnehmer Studierende SS 2010: Martin Ewald Eggel, Maurice Rigaud, Filip Skoro, Visnja Somodi, Helene Thümmel, Tanya Zlateva, WS 2009/2010: Bernarda Cetl, Markus Deutsch, Carmen Hofer, Patricia Jeglitsch, Stefan Krische, David Krottmayer, Jasna Kuljuh, Florian Radner, Ana Skrebic, Eva Weninger, Bianca Winter

 

Ausstellungskonzept und Umsetzung: Ute Angeringer-Mmadu, Ninela Holtin, Oliver Jungwirth

 

 

WIRKLICHKEITEN. GRAZ UM 1900

 

Eine Ausstellung des stadtmuseumgraz

mit 118 Diapositiven aus dem Kulturamt – Grazer Stadtarchiv

 

Ausstellungsdauer: 14. Oktober 2009 – 31. Oktober 2010

 

Die Wahrheit einer Stadt ist konkret und kann in alten Bildinventaren wiederentdeckt werden. Die einst für den Lehrgebrauch bestimmten Diapositive aus dem Grazer Stadtarchiv sind ein Angebot zur Entzifferung von Grazer Wirklichkeiten um 1900. Diese Diapositive sind durchsichtig im doppelten Wortsinn: transparente Bilder im Medium Fotografie, das so unvergleichlich durchlässig für die Wirklichkeit ist. Ohne zu verklären, erhellen diese Lichtbilder von Graz durch ihre unverstellten Blicke die oft rätselhaften Details des Stadtlebens in ihren vergänglichsten Formen, zeigen alltägliche Wirklichkeiten als das für den Charakter einer Stadt Signifikante.

 

„Wirklichkeiten. Graz um 1900“ ist eine Bilderausstellung. Sie zeigt rund 120 Diapositive, fast durchwegs schwarz-weiß, aus der Zeit zwischen 1880 und 1920: das alte Graz, das neue Graz, Attraktionen und unterschiedlichste Lebenswelten sowie Fotografien einer vom „Großen Krieg“ schwer betroffenen Stadt. Die Ausstellung will damit ein atmosphärisches Epochenbild geben, indem es die zugleich stummen wie beredten Fotografien in ihr Recht als Bilder treten lässt: konkrete Bruchstücke der Wirklichkeit zu sein, die das Dort und Damals mit unserem Hier und Jetzt zu verknüpfen vermögen.

 

Ein faszinierendes Angebot, in den leuchtenden fotografischen Miniaturen das kulturhistorisch Bedeutsame des Grazer Zentrums im damaligen Bauzustand für sich zu entdecken oder sich einfach als Flaneur in der Vorstadtmelancholie der Jahrhundertwende zu verlieren.